Essays

Ein Bericht an eine Akademie

 zigarre 3Wie wenig zu ändern ist, wenn man auf gute Literatur zurückgreifen kann, geht aus dieser Novelle hervor. Zugrunde liegt F. Kafkas Erzählung »Ein Bericht an eine Akademie«.

Rund hundert Jahre später mußte dem neuen Autor nur eine wahre Begebenheit unterlaufen, und die Sache mit der »Ewigen Wiederkehr« bestätigte sich zum abertausendsten Mal. Sie werden sehen: der Schauplatz hat sich geändert; die Geschichte ist dieselbe.

Wie damals handelt es sich um ein Lehrstück des evolutionären Lernens: Wie meistere ich ausweglose Situationen? Wie soll ich mich ändern, wenn ich nichts so sehr fürchte, wie mich zu ändern? Daß es trotzdem geht, lehrt diese Geschichte: Aushalten, Sitzenbleiben! Die schlichte Tugend der Sturheit und des Nachäffens. Am Ende ist man tatsächlich ein anderer und besserer geworden. Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Schade.


Hohe Herren von der Akademie!

Sie erweisen mir die Ehre, mich aufzufordern, der Akademie einen Bericht über mein närrisches Vorleben einzureichen.

In diesem Sinne kann ich leider der Aufforderung nicht nachkommen. Nahezu zehn Monate trennen mich von jenem Narrentum, eine Zeit, kurz vielleicht am Kalender gemessen, unendlich lang aber durchzugaloppieren, so wie ich es getan habe. Diese Leistung wäre unmöglich gewesen, wenn ich eigensinnig hätte an meinem Ursprung, an den Erinnerungen der Jugend festhalten wollen. Gerade Verzicht auf jeden Eigensinn war das oberste Gebot, das ich mir auferlegt hatte. In eingeschränktestem Sinn kann ich doch vielleicht Ihre Anfrage beantworten und ich tue es sogar mit großer Freude. Das erste, was ich lernte, war: den Handschlag geben; Handschlag geben bezeigt Offenheit; mag nun heute, wo ich auf dem Höhepunkt meiner Laufbahn stehe, zu jenem ersten Handschlag auch das offene Wort hinzukommen. Es wird für die Akademie nichts wesentlich Neues beibringen und weit hinter dem zurückbleiben, was man von mir verlangt hat und was ich beim besten Willen nicht sagen kann - immerhin, es soll die Richtlinie zeigen, auf welcher ein gewesener Narr in die Schachwelt eingedrungen ist und sich dort festgesetzt hat. Doch dürfte ich selbst das Geringfügige, was folgt, gewiß nicht sagen, wenn ich meiner nicht völlig sicher wäre und meine Stellung in allen großen Caféhäusern der zivilisierten Welt sich nicht bis zur Unerschütterlichkeit gefestigt hätte:

Ich stamme aus einem Elternhaus, in dem der Müßiggang geringes Ansehen genoß. Darüber, wie vor zehn Monaten jene denkwürdige Veranstaltung zustande kam, bin ich auf fremde Berichte angewiesen. Ein Zeitungsartikel aus der Mainpresse - mit dem Herausgeber habe ich übrigens schon manchen Disput ausgefochten - traf mich wie ein Schuß; der war leicht. Im Festsaal der nahegelegenen Kleinstadt sollte als feierlicher Höhepunkt der deutschen Meisterschaft ein Simultanwettbewerb stattfinden. Attraktion des Abends: der Simultanweltmeister. Ohne einen Moment des Zauderns beschloß ich, ein zu meinem Leidwesen vollkommen untalentierter und laienhafter Bewunderer des königlichen Spieles, an jenem Abend die Geborgenheit meines Heims zu verlassen und mich als scheuer Zuschauer des Spektakels unter die Menge zu mischen.

Nach jenem Entschluß - und hier beginnt allmählich meine eigene Erinnerung - erwachte ich im Foyer der Festhalle. Wie immer bei derartigen Ereignissen, verzögerte sich der Beginn. Eine erkleckliche Anzahl Schachliebhaber spazierte voller Erwartung im Vorraum, und die Wortfetzen, die an mein Ohr drangen, der bedächtige Gang der Anwesenden, ließen keinen Zweifel aufkommen, daß hier ein erlesener Zirkel von Eingeweihten versammelt war. Gänzlich fehl am Platze vermied ich jede Bewegung, jedes laute Wort, das die Aufmerksamkeit der Umstehenden hätte auf mich lenken können.

Man erahne, welcher Schrecken mich durchfuhr, als ein mir unbekannter Herr herantrat - später zeigte sich, es war der Veranstalter - und eine dringliche Bitte äußerte: Einer der vierzig hervorragenden Simultanspieler sei erkrankt, Ersatz werde gesucht, man denke an mich. Der Schrecken, kaum Zeit sich auszubreiten, steigerte sich in schiere Panik. Welch unsinnige Idee. Lag es an der vornehm aussehenden Pfeife, die ich im Munde trug? Wodurch sonst könne jemand auf einen so abwegigen Gedanken kommen! Mein Peiniger jedoch ließ nicht ab, ausgerechnet mich, den größten unter den Narren dem Wettkampf auszuliefern. Ich versuchte es mit Esprit: die Pfeife rauche ich zwar wie ein Alter, drücke bisweilen auch den Daumen in den Pfeifenkopf, aber viel mehr als den Unterschied zwischen einer leeren und einer gestopften Pfeife verstünde ich nicht. Ich versuchte es mit einem Appell an den Anstand: Einem internationalen Großmeister einen solchen Narren vorzusetzen, selbst in größter Not, sei eine Beleidigung des Hohen Gastes. Es half nichts. Schließlich drohte ich in äußerster Verzweiflung, seiner Bitte nachzukommen, und der Veranstalter, der offensichtlich keine Wiederholung des Turniers plante, schlug ein. Zum erstenmal in meinem Leben war ich ohne Ausweg.

Dies war der zweite Schuß. Er war schwer, er hat es verschuldet, daß ich heute noch zusammenzucke, wenn auf offenem Gelände jemand auf mich zu tritt. So gelangte ich an Tisch 33. Ich soll, wie man mir später sagte, ungewöhnlich wenig Lärm gemacht haben, woraus man schloß, daß ich entweder bald eingehen müsse oder daß ich, falls es mir gelingt, die erste kritische Zeit zu überstehen, sehr dressurfähig sein werde. Ich überlebte diese Zeit. Dumpfes Schluchzen, schmerzhaftes Kratzen an den Ohren, müdes Kauen eines Streichholzstummels, Beklopfen des Spielbretts mit den Knöcheln, Zungenblecken, wenn mir jemand nahe kam - das waren die ersten Beschäftigungen an meinem neuen Platz. In alledem doch nur das eine Gefühl: kein Ausweg. Ich kann natürlich das damals nach Narrenart Gefühlte heute nur mit Menschenworten nachzeichnen und verzeichne es infolgedessen, aber wenn ich auch die alte Narrenwahrheit nicht mehr erreichen kann, wenigstens in der Richtung meiner Schilderung liegt sie, daran ist kein Zweifel.

Ich hatte doch so viele Auswege bisher gehabt und nun keinen mehr. Ich war festgerannt. Hätte man mich angenagelt, meine Freizügigkeit wäre dadurch nicht kleiner geworden. Warum das? Kratz dir das Fleisch zwischen den Fingern auf, du wirst den Grund nicht finden. Drück’ dich hinten gegen die Stuhllehne, bis sie dich fast zweiteilt, du wirst den Grund nicht finden. Ich hatte keinen Ausweg, mußte ihn mir aber verschaffen, denn ohne ihn konnte ich nicht leben. Immer an diesem Stuhlrücken - ich wäre unweigerlich verreckt. Aber Narren gehören im Festsaal an die Rücklehne - nun, so hörte ich auf, ein Narr zu sein. Ein klarer, schöner Gedankengang, den ich irgendwie mit dem Bauch ausgeheckt haben muß, denn Narren denken mit dem Bauch.

Ich habe Angst, daß man nicht genau versteht, was ich unter Ausweg verstehe. Ich gebrauche das Wort in seinem gewöhnlichsten und vollsten Sinn. Ich sage absichtlich nicht Remis. Nein, Remis wollte ich nicht. Nur einen Ausweg; auf c5, e7, wo immer; ich stellte keine Forderungen; sollte der Ausweg auch nur eine Täuschung sein; die Forderung war klein, die Täuschung würde nicht größer sein. Weiterkommen, weiterkommen! Nur nicht mit zitternden Händen die Figuren umschmeißen, angedrückt an einen Stuhlrücken.

Heute sehe ich klar: ohne größte innere Ruhe hätte ich nie entkommen können. Und tatsächlich verdanke ich vielleicht alles, was ich geworden bin, der Ruhe, die mich nach den ersten Minuten überkam. Die Ruhe wiederum aber verdanke ich wohl dem Großmeister. Es war ein guter Mensch. Gerne erinnere ich mich noch heute an den Klang seiner dunklen Stimme, der damals in meiner dumpfen Betäubung widerhallte. Er hatte die Gewohnheit, alles äußerst langsam in Angriff zu nehmen. Wollte er sich die Augen reiben, so hob er die Hand wie ein Hängegewicht. Seine Scherze waren derb, aber herzlich. Sein Lachen war immer mit einem gefährlichen Blinzeln der Augen vermischt. Jeder Schritt und jede Wendung seiner Blicke verrieten uns Anwesenden, daß der Meister zwar von weither angereist war, daß aber wir es waren, die sich anschickten, in sein Revier einzudringen, und die nun zu spüren bekommen sollten, was es heißt, mit ihm in ein Spielchen einzutreten. Damit hatten wir uns abzufinden. So saßen wir schweigend im Karree des Festsaals und fanden uns damit ab.

Die Ruhe, die ich mir im Kreise dieser Leute erwarb, hielt mich vor allem von jedem Fluchtversuch ab. Von heute aus gesehen scheint es mir, als hätte ich zumindest geahnt, daß ich einen Ausweg finden müsse, wenn ich leben wolle, daß dieser Ausweg aber nicht durch Flucht zu erreichen sei. Ich weiß nicht mehr, ob Flucht möglich war, aber ich glaube es; einem Narren sollte Flucht immer möglich sein. Mit einer raschen Bewegung hätte ich mich vom Stuhl erheben und durch die nahegelegene Tür den Saal verlassen können. Ich tat es nicht. Was wäre damit auch gewonnen gewesen? Der Veranstalter hätte mich, kaum war der Kopf hinausgesteckt, wieder eingefangen und unter noch größerer Peinlichkeit auf meinen Folterstuhl zurückgesetzt; oder ich hätte mich unbemerkt unter die Zuschauer stehlen können, um in der Anonymität des Publikums zu versinken, aber der leere Platz wäre bald aufgefallen und ich wäre aufgestöbert worden. Verzweiflungstaten. Ich rechnete nicht so menschlich, aber unter dem Einfluß meiner Umgebung verhielt ich mich so, wie wenn ich gerechnet hätte.

Ich rechnete nicht, wohl aber beobachtete ich in aller Ruhe. Ich sah diese Menschen um mich herum sitzen, immer die gleichen Gesichter, die gleichen Bewegungen, oft schien es mir, als wäre es nur einer. Dieser Mensch oder diese Menschen blieben also unbehelligt. Ein hohes Ziel dämmerte mir auf. Niemand versprach mir, daß, wenn ich so wie sie würde, die Qual ein Ende nehmen werde. Solche Versprechungen für scheinbar unmögliche Erfüllungen werden nicht gegeben. Löst man aber die Erfüllungen ein, erscheinen nachträglich auch die Versprechungen genau dort, wo man sie früher vergeblich gesucht hatte. Nun war an diesen Menschen an sich nichts, was mich sehr verlockte. Hätte ich nur im geringsten deren vage Hoffnung auf ein Remis geteilt, ich hätte gewiß die heillose Flucht dem Ausweg vorgezogen, der sich im trüben Blick dieser Menschen zeigte. Jedenfalls aber beobachtete ich sie schon lange vorher, ehe ich an solche Dinge dachte, ja die angehäuften Beobachtungen drängten mich erst in die bestimmte Richtung.

Es war so leicht, die Leute nachzuahmen. Ein ernstes, undurchdringliches Gesicht konnte ich sofort; mit einer leichten, beiläufigen Bewegung die kleinen Figuren ergreifen und auf ein anderes Feld setzen, auch; nur mit der schriftlichen Notation der Züge hatte ich meine Mühe. Die mit zitternden Fingern gekritzelten Zeichen waren unleserlich und standen wahrscheinlich an der falschen Stelle; aber als mir klar wurde, daß niemand anderer sie je würde lesen wollen und ich ohnehin nichts damit anfangen konnte, beruhigte ich mich schnell und beschränkte mich darauf, den Anschein zu wahren.

Nur ein einziges Mal, ganz zu Anfang der Partie, verließ ich den sicheren Boden des Nachäffens. Beginnend an Tisch eins eröffnete der Weltmeister das Turnier, indem er mit der linken Hand eine Figur setzte, während er seine Rechte zum Gruß reichte; eine an sich schöne Geste, die uns Unterlegenen das Herz wärmen konnte. Doch was mir durchaus mißfiel und ich nicht billigen konnte, war die Beobachtung, daß niemand es für nötig hielt, sich von seinem Sitz zu erheben, wie es sich gehört hätte. Manche versäumten es gar, die Augen zu heben und starrten statt dessen wie vernarrt auf die eine Figur, die sich vor ihnen hob und wieder senkte. So verfolgte ich das Geschehen mit wachsendem Groll, bis mein Meister und Lehrer, denn als solchen ihn anzusehen hatte ich mich inzwischen entschlossen, vor mir stand; und ohne den Ereignissen auf dem Brett auch nur die mindeste Aufmerksamkeit zu schenken, löste ich mich vom Stuhl und seiner harten Lehne, richtete mich auf, reichte die Hand und verbeugte mich mit Betonung. So war das erste, was ich lernte: den Handschlag geben.

Handschlag geben bezeigt Offenheit. Aber es kam noch etwas hinzu: denn es war mir vor allem darum zu tun, deutlich zu machen, wie fern es mir lag, in eine ernsthafte Auseinandersetzung einzutreten. Ich wollte lediglich meiner Bereitschaft Ausdruck verleihen, demütig eine Lektion in Empfang zu nehmen, die ich so bald nicht würde vergessen können. Indessen ging aus dem Mienenspiel des Großmeisters klar hervor, wie wenig es dieser Versicherung bedurft hätte. Einerlei. Mag es den rituellen Gewohnheiten derartiger Veranstaltungen zuwidergelaufen sein oder gar die Konzentration gestört haben, es war die letzte Gelegenheit des Abends, einem vernünftigen und ordentlichen Gedanken Ausdruck zu verleihen; also habe ich die Gelegenheit ergriffen.

Was folgte ist rasch erzählt: ein einziges Zittern und Zögern und unsicheres Verschieben von links nach rechts, von vorne nach hinten. Nur mein Namensschild, das aus naheliegenden Gründen keinen Namen trug, spendete Trost; als Namenloser unter den Namhaften hatte ich vielleicht ein Anrecht, so zu spielen wie ich eben spielte. Wann immer mein Lehrer an mir vorbei und eine Figur setzen mußte, tat er es fast mitleidig, mochte kaum hinsehen und verzögerte seine Schritte niemals. Allzu oft nur verlief so der Unterricht. Und zur Ehre meines Lehrers: er war mir nicht böse. Wohl spürte ich manchmal die Kränkung, die ein trauriger Zug ihm angetan haben mußte, aber dann griff er doch zu, schritt weiter und ersparte uns die Bemerkung, die ihm wohl auf der Zunge lag. Nein, er war mir nicht böse, er sah ein, daß wir auf der gleichen Seite gegen die Narrennatur kämpften und daß ich den schwereren Teil hatte.

Was für ein Sieg dann allerdings für ihn wie für mich, als nach vierundzwanzig Zügen - wobei schon diese unendlich lange Strecke ein Wunder bedeutete, welches drei Stunden zuvor gänzlich unerreichbar und außerhalb aller Möglichkeit erschienen war - mein Lehrer seinen Schritt nicht nur verzögerte, sondern sogar stehenblieb, die Hand wie ein schweres Eisen zum Kinn führte, die Stirn in Falten sich herabbeugte, sich mit beiden Händen auf den Tisch stützend einen Seufzer ausstieß, sich wieder aufrichtete, die Krawatte zurechtzog, wieder seufzte, sich wieder aufstützte, die Augäpfel hinter den schmalen Lidern hin- und hersausen ließ und dann endlich zog. Und als er sich abwandte, schweigend und wieder vollkommen gefaßt, ließ er mich nicht mehr zurück als einen Verzweifelten, sondern als Künstler. Zwar vergaß ich aufzuspringen und eine Verbeugung zu leisten, aber zum ersten Male spürte ich nicht mehr die Härte des Stuhles, auf dem ich saß, und vergaß die Zeit, in der ich darauf hockte.

Ich wiederhole: es verlockte mich nicht, die Leute nachzuahmen; ich ahmte nach, weil ich einen Ausweg suchte, aus keinem anderen Grund. Auch war mit jenem Sieg noch wenig getan. Die Begeisterung verließ mich sofort wieder; der Widerwille gegen mein übermütiges und hoffnungsloses Treiben kam sogar noch verstärkter. Meine Richtung allerdings war mir ein für allemal gegeben.

Bei der nächsten Passage meines Lehrers war ich verzagter als zuvor. Weniger denn je fühlte ich mich den Ereignissen gewachsen. Doch irgend etwas war geschehen, das ich zwar weder auf dem Spielfeld, noch in mir selbst finden und verstehen konnte, das mir aber von irgendwoher zuwinkte. Und ich lernte, meine Herren. Ach, man lernt, wenn man muß; man lernt, wenn man einen Ausweg will; man lernt rücksichtslos. Man beaufsichtigt sich selbst mit der Peitsche; man zerfleischt sich beim geringsten Widerstand. Die Narrennatur raste, sich überkugelnd, aus mir heraus und weg, so daß mein Lehrer selbst davon fast närrisch wurde, bald die Partie aufgeben und sich erschöpft niedersetzen mußte. Glücklicherweise erholte er sich bald wieder.

Ich werde wohl noch viele Lehrer verbrauchen, ja sogar einige Lehrer gleichzeitig. Diese Fortschritte! Dieses Eindringen der Wissensstrahlen von allen Seiten ins erwachende Hirn. Ich leugne nicht: es beglückte mich. Ich gestehe aber auch ein: ich überschätzte es nicht, schon damals nicht, wieviel weniger heute. Durch eine Anstrengung, die sich bisher auf der Erde nicht wiederholt hat, habe ich die Durchschnittsbildung eines Caféhausspielers erreicht. Das wäre an sich vielleicht gar nichts, ist aber insofern doch etwas, als es mir aus dem Stuhl half und mir diesen besonderen Ausweg, diesen Menschenausweg verschaffte. Es gibt eine ausgezeichnete deutsche Redensart: sich in die Büsche schlagen; das habe ich getan, ich habe mich immer in die Büsche geschlagen.

Überblicke ich meine Entwicklung und ihr bisheriges Ziel, so klage ich weder, noch bin ich zufrieden. Die Hände in den Hosentaschen, die Teekanne auf dem Tisch, liege ich halb, halb sitze ich im Sessel und schaue aus dem Fenster. Kommt Besuch, empfange ich ihn, wie es sich gebührt. Am Abend ist fast immer Vorstellung in meinem Lieblingscafé, und ich habe wohl kaum mehr zu steigernde Erfolge. Komme ich spät nachts von dem Trubel, aus gemütlichem Beisammensein nach Hause, erwartet mich meine treue Katze und setzt sich mit dem wissenden Blick aller freiheitsliebenden Tiere vor mich hin; diesen Blick erkenne nur ich, und ich kann ihn nicht ertragen.

Im ganzen habe ich jedenfalls erreicht, was ich erreichen wollte. Man sage nicht, es sei der Mühe nicht wert gewesen. Im übrigen will ich keines Menschen Urteil, ich will nur Kenntnisse verbreiten, ich berichte nur, auch Ihnen, hohe Herren von der Akademie, habe ich nur berichtet.

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