Nachwort

Die Kubareise liegt Jahre zurück. Manches hat sich seitdem verändert. Gesellschaften ändern sich stetig, und ich hüte mich zu behaupten, ein objektives Bild des kubanischen Lebens geliefert zu haben...

kuba 3Schon damals, im Spätherbst des Jahres 2008, war mir bewusst, wie subjektiv und zufallsbedingt meine Beobachtungen waren.

Dennoch halte ich den Bericht nicht für wertlos. Wer am gesellschaftlichen Leben teilnehmen will, muss sich als sozial begabtes Wesen erweisen, und das bedeutet vor allem: Anpassung. Für uns Bürger der entwickelten Länder hat der aus der Evolutions-Biologie entlehnte Begriff längst seinen Schrecken verloren. Angesichts der enormen Belohnungen, die unsere Gesellschaften für erfolgreiche Anpassungen bereit halten, fällt uns der Verzicht auf manifeste persönliche Merkmale nicht schwer. nachwort 2Eine Mangelwirtschaft wie diejenige Kubas hat nur minderwertige Belohnungen zu bieten. Das verringert den Anpassungsdruck und bringt eine Komponente zum Vorschein, die nicht biologisch, sondern nur anthropologisch ableitbar ist: Widerstand.

Man könnte den Menschen auch als dasjenige Wesen definieren, das sich mit Unvollkommenheiten niemals abfindet. In diesem Sinne hat sich der Kubaner als überaus menschlich erwiesen. Ich lernte auf meiner Reise: Die Anpassung an eine unvollkommene Gesellschaft macht uns zu sozialen Wesen, der Widerstand gegen eine unvollkommene Gesellschaft macht uns zu sozialen Menschen. Wenn sich Anpassung und Widerstand nicht die Waage halten, gerät auch unsere Identität als Mensch in Schieflage.

nachwort 3Über die Einheit von Anpassung und Widerstand mag man streiten. Die Furcht vor der zersetzenden Kraft des Widerstands ist verbreitet. Aber dass man immerhin darüber streitet, dazu hoffe ich mit meinem Bericht Veranlassung gegeben zu haben.

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