Cuno Canthe

Vorwort

wir warnen vor Cuno Canthe. Er ist für niemanden eine Bedrohung. Doch Cuno geht seltsame Wege, Wege, die wir nicht empfehlen können. Sein Schicksal ist irreführend. Er ist besser davon gekommen als zu erwarten war. Viele seiner Weggefährten kamen auf ähnlich dumme Gedanken und zahlten den Preis für ihren Übermut. Canthe jedoch ist nie zur Kasse gebeten worden. So weit wir wissen, hat er sich über sein unerwartetes Verschont-Werden niemals gewundert. Er rechnet sich als Verdienst an, was wir nur Glück nennen.

Beschränkte Vorstellungskraft gepaart mit mangelhaftem Einfühlungsvermögen, geleitet von robuster Selbstüberschätzung, gestattet Cuno eine Lebensführung, die nur unbestraft bleibt, weil solche Irrläufer durch alle Maschen fallen. Das Schicksal ist ein großer Fallensteller. Doch Cuno latscht durch die Minenfelder des Lebens, hüpft mal hierhin, mal dorthin, als liefe er über eine Sommerwiese – und bleibt ungeschoren.

Wir würden darüber kein Wort verlieren, besäße er nicht die Dreistigkeit, seine Unversehrtheit als beispielgebend vorzuführen; als könne jedermann Schonung erwarten, wanderte er nur ebenso unbesonnen und unverantwortlich durchs Leben wie Cuno. Er hat nur Schwein gehabt.

Cuno Canthe darf niemals Schule machen! Bloß weil das Schicksal ihn nicht ernst nimmt, darf niemand hoffen, ebenso glimpflich davon zu kommen.

Wir, die wir uns entschlossen haben, seine Geschichte zu erzählen, entstammen der Mitte der Gesellschaft. Wir sind der ruhende Pol einer sich immer wirrer wandelnden Welt. Viele scheitern an einem falschen Leben; das ist menschlich und verdient Respekt, Verständnis und Beistand. Doch Cunos Leben ist falsch bis zum Abwinken – und bis heute warten wir auf die Quittung; stattdessen geistert er immer noch unbeschwert herum und prahlt mit seiner heilen Haut. Das lassen wir nicht durchgehen.

Canthe hat uns sein Leben erzählt, wie er es versteht. Nun erzählen wir, wie wir es verstehen. Zur Verstärkung des abschreckenden Eindrucks erlauben wir Cuno, Kommentare einzustreuen. Soll er reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist; das kann die heilsame Wirkung unserer Berichte nur erhöhen.

Cunos irregeleitetes Leben lässt sich nicht in chronologischer Folge erzählen. Er gibt an, selbst nicht mehr die exakte Reihenfolge seiner Abenteuer zu wissen. Das glauben wir aufs Wort. Der Mann hat längst den Faden verloren – leider, ohne darunter zu leiden. Bevor das jemand sympathisch findet, und übersieht, aus welch´ fragwürdigem Holz Canthe geschnitzt ist, beginnen wir mit jener Episode aus dem Frühjahr 1974, die den Anfang seiner Solo-Karriere markiert: als selbstermächtigter Kapitän seines ganz persönlichen Narrenschiffs.

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